Pressemitteilung

Allianz aus NGOs, Verbänden und Organisationen der Medien- und Digitalwirtschaft reicht DSA-Beschwerde gegen Googles „AI Overviews“ ein

Eine Allianz aus NGOs, Verbänden und Organisationen der Medienwirtschaft hat bei der Bundesnetzagentur Beschwerde gegen den Google-Dienst AI Overviews eingereicht.

23. September 2025

#dsa #google

EU-Fahnen vor dem Gebäude der Kommission in Brüssel
Marco via Pexels

Berlin, 18. September 2025 – Eine Allianz aus NGOs, Verbänden und Organisationen der Medienwirtschaft hat bei der Bundesnetzagentur in ihrer Rolle als Digital Services Coordinator (DSC) förmliche Beschwerde gegen den Google-Dienst AI Overviews eingereicht. Nach Auffassung der Unterzeichner verletzt Google mit der Integration KI-generierter Antworten (sogenannter „Google AI Overviews“) in die Suche zentrale Vorgaben des Digital Services Act (DSA) – mit gravierenden Folgen für Medienvielfalt, Meinungsfreiheit und demokratischen Diskurs.

„Traffic Killer“ für unabhängige Medien

Mit AI Overviews erhalten Nutzer*innen Antworten auf Suchanfragen direkt in der Google Suchergebnisliste, ohne auf die Originalquellen klicken zu müssen. Damit schafft Google ein Konkurrenzprodukt zu journalistisch-redaktionellen Inhalten, entzieht Medienhäusern Reichweite sowie Werbeeinnahmen und gefährdet ihre Refinanzierung, dies alles aufbauend auf den Inhalten Dritter.

Matthias Spielkamp, Geschäftsführer von AlgorithmWatch, erklärt: „Googles KI-Zusammenfassungen sind fehlerhaft und bisweilen irreführend, wie jede generative KI. Sie behindern zudem den Zugang zu zuverlässigen Quellen und bedrohen damit das Finanzierungsmodell journalistischer Medien. Zudem behauptet Google, dass die AI Overviews keine Zusammenfassungen zu sensiblen oder politischen Themen liefern. Aber unsere Tests haben gezeigt, dass das nicht stimmt und dass selbst einfache Suchanfragen zu falschen Ergebnissen führen. Google ist durch den Digital Services Act (DSA) verpflichtet abzuschätzen, ob Risiken entstehen, wenn neue Angebote eingeführt werden, und diese dann auch zu minimieren. Das hat die Firma unserer Auffassung nach nur unzureichend getan. Dadurch entsteht ein inakzeptables Risiko für den Zugang zu verlässlichen Informationen und damit letztendlich auch für unsere Demokratie.“

Daniela Beaujean, Geschäftsführerin des VAUNET – Verband Privater Medien, erklärt für die Allianz der Medien- und Digitalwirtschaft: „Google platziert seine KI-Antworten vor den Inhalten Dritter und wird damit zum ‚Traffic-Killer‘. Im Ergebnis reduziert Google AI Overviews die Reichweite und Auffindbarkeit unabhängiger und demokratierelevanter privater Medien. Als für die Informations- und Inhaltevermittlung relevante Plattform ist Google aufgefordert, entsprechenden Risiken, Intransparenz und Fehlinformationen entgegenzuwirken. Es liegt in den Händen der Bundesnetzagentur als Digital Services Coordinator und der EU-Kommission, nun eine konsequente Umsetzung des DSA zu gewährleisten.“

Risiken durch Intransparenz und Fehlinformation

Die von Google generierten Antworten basieren auf einem proprietären Modell, dessen Funktionsweise intransparent ist. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass die KI auch fehlerhafte oder erfundene Inhalte verbreitet – ein direkter Widerspruch zu den Zielen des DSA.

Dr. Christine Jury-Fischer, Geschäftsführerin Corint Media, dazu für die Allianz der Medien- und Digitalwirtschaft: „Google drängt einmal mehr konkurrierende Angebote zurück, um die eigene Machtposition zu festigen. Wenn Medienvielfalt und demokratischer Diskurs erhalten bleiben sollen, ist regulatorisches Einschreiten dringend geboten. Denn ‚digitale Souveränität‘ bedeutet nicht nur, über eine unabhängige digitale Infrastruktur zu verfügen, sondern auch für eine unabhängige diskriminierungsfreie Distribution digitaler journalistischer Inhalte zu sorgen.“

Forderung an den DSC und die EU-Kommission

Die Beschwerdeführer fordern den DSC auf, die Europäische Kommission gemäß Art. 65 Abs. 2 DSA einzuschalten und ein Verfahren einzuleiten. Bei Verstößen gegen den DSA drohen empfindliche Sanktionen – bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Allianz der Medienwirtschaft und NGOs

AW AlgorithmWatch gGmbH,
Matthias Spielkamp, Geschäftsführer | www.algorithmwatch.org

Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR)
Prof. Dr. Holger Paesler, Geschäftsführer | www.privatfunk.de

Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V.
Birgit Reuß, Leiterin des Berliner Büros | www.boersenverein.de

BDZV - Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e. V.
Helmut Verdenhalven, Mitglied der Geschäftsleitung / Leiter
Medienpolitik | www.bdzv.de

Deutscher Journalisten-Verband (DJV)
Hanna Möllers, Justiziarin, stellvertr. Hauptgeschäftsführerin | www.djv.de

European Federation of Journalists
Renate Schroeder, Director | www.europeanjournalists.org

EMMA European Magazine Media Association & ENPA European Newspaper Publishers' Association
José Guimarães, Acting Executive Director, EMMA & ENPA | www.magazinemedia.eu | www.enpa.eu

Initiative for Neutral Search & Innovate Europe Foundation (IEF)
Felix Styma, Managing Partner economy iconomy GmbH | www.neutralsearch.eu | ww.ie.foundation/en

Initiative Urheberrecht e.V.
Katharina Uppenbrink, Managing Director | www.urheber.info

MVFP - Medienverband der freien Presse e. V.
Prof. Dr. Christoph Fiedler, Geschäftsführer Europa- und Medienpolitik | www.mvfp.de

Verband Deutscher Lokalzeitungen und Lokalmedien e.V.
Stefan Waldschmidt, Referent | www.lokalpresse.de