Chatbots & demokratische Entscheidungsträger*innen – eine Orientierungshilfe
Für Abgeordnete und Politiker*innen gelten besondere Sorgfaltspflichten, wenn sie generative KI benutzen. Diese Orientierungshilfe schlägt sieben Schritte vor, wie demokratische Entscheidungsträger*innen ihren Umgang mit generativer KI gestalten können, um einen verantwortungsvollen und nachvollziehbaren Einsatz im politischen Alltag zu gewährleisten.

Generative KI kann politische Entscheidungen auf subtile und schwer erkennbare Weise beeinflussen.[1] Zunehmend arbeiten Entscheidungsträger*innen in der Politik oder Verwaltung und ihre Mitarbeiter*innen mit generativer Künstlicher Intelligenz. Dadurch können subtile Formen von Beeinflussung entstehen, die nicht sofort sichtbar sind. Während inzwischen bekannt ist, dass KI-basierte Chatbots Fehler produzieren und zu Verzerrungen neigen, wird über diese Risiken bisher selten gesprochen. Zu diesen subtilen Risiken gehören etwa folgende Tendenzen:
- Schmeichelei: Chatbots neigen dazu, die explizite oder implizite Meinung des Fragestellenden zu bestätigen.
- Intransparente Bewertung von Quellen: Chatbots werten Informationen unterschiedlich, je nachdem, welcher Quelle sie zugeordnet werden. Beispielsweise stellen sie Informationen von Institutionen häufig als neutrale Fakten da.
- Konvergenz: Was wie Konsens aussieht, könnte in Wirklichkeit eine Annäherung der von Chatbots generierten Antworten widerspiegeln, wenn mehrere Personen gemeinsam an Inhalten arbeiten und Chatbots auf ähnliche Weise anleiten.
Diese Orientierungshilfe soll Entscheidungsträger*innen in Politik und Verwaltung sowie ihre Mitarbeiter*innen für solche Risiken sensibilisieren und ihnen eine konkrete Hilfe an die Hand geben, um generative KI so zu nutzen, dass sie zu innovativeren und effizienteren Entscheidungen kommen, ohne die Risiken der Technologie zu reproduzieren.
Hierfür haben wir drei Prinzipien entwickelt und in sieben Schritten ausgeführt, wie diese ganz konkret angewandt werden können.
Wir konzentrieren uns dabei auf die angenommene Beeinflussung demokratisch relevanter Entscheidungen in Politik und Verwaltung. Das heißt, es geht weniger um den Einsatz generativer KI in der Kommunikation (zum Beispiel in Reden oder Gastbeiträgen), sondern um Hintergrundaufgaben, bei denen KI zum Einsatz kommt.
Hierzu zählen zum Beispiel:
- Die Entwicklung von Ideen und Argumenten für Positionen
- Die Recherche zur Unterstützung von Entscheidungen
- Die Gestaltung politischer Vorschläge
- Die Ausarbeitung von Gesetzentwürfen
Es ist bisher nicht bekannt, in welchem Ausmaß Entscheidungsträger*innen aus Politik und Verwaltung KI in dieser Weise verwenden. In einem nächsten Schritt sind wir an Feedback aus Politik und Verwaltung interessiert, um diese Orientierungshilfe besser an die Praxis anzupassen.[2]
Die Orientierungshilfe kann sowohl für frei verfügbare KI als auch für einen hausinternen Service verwendet werden. Sie ist insbesondere relevant für Arbeitsabläufe, in denen mehrere Personen in Teams sowie über Hierarchiegrenzen hinweg gemeinsam an Texten und Inhalten arbeiten.
Die Orientierungshilfe soll bestehende KI-Leitlinien ergänzen, von denen es bereits eine Vielzahl gibt. Die meisten dieser Leitlinien empfehlen den „Human-in-the-Loop“-Ansatz: KI-Antworten sollten sorgfältig von Menschen überprüft werden; am Ende sollte eine Person eindeutig die Verantwortung für den Output übernehmen.
Doch was heißt das genau – jenseits vom Korrigieren offensichtlicher Fehler und eindeutiger Biases? Genau hier setzt diese Orientierungshilfe an und bietet eine Anleitung, um subtilere Risiken bei der KI-Nutzung zu reflektieren und zu minimieren.
Die drei Prinzipien: Hinterfragen, Dokumentieren, Reflektieren
Für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI-Chatbots im Bereich der demokratischen Entscheidungsfindung empfehlen wir die folgenden drei Prinzipien:
- Behandeln Sie jede Antwort eines Chatbots wie einen Entwurf, der Entscheidungen und Inhalte widerspiegelt, die Sie weder selbst getroffen noch recherchiert haben.
- Stellen Sie sicher, dass Sie nachweisen können, inwiefern Sie die Entscheidungen und Inhalte des Chatbots hinterfragt oder akzeptiert haben.
- Betrachten Sie den Einsatz von Chatbots und die Weiterbildung im Bereich der KI als gemeinsame Übung für Ihr Team oder Ihre Organisation, bei der Erfahrungen dokumentiert, reflektiert und diskutiert werden.
Die ersten zwei Prinzipien sollen sicherstellen, dass die Person, die einen KI-Chatbot verwendet, die Ausgaben der KI und die darin enthaltenen Empfehlungen in angemessener Weise hinterfragt und diesen Prozess dokumentiert. Nur so kann für die Ergebnisse tatsächlich Verantwortung übernommen werden.
Beim dritten Prinzip geht es um eine allgemeinere Empfehlung für den Umgang mit KI in politischen Organisationen.
Wie lassen sich die drei Prinzipien einhalten?
Hinweis: Der Einfachheit halber sprechen wir von „dem Chatbot“, selbst wenn im Prozess verschiedene Sprachmodelle und Anbieter verwendet werden. Unter einem „Arbeitsablauf“ verstehen wir einen abgeschlossenen Prozess, dessen Ergebnisse an Führungskräfte weitergeleitet, veröffentlicht, als Entscheidungsgrundlage verwendet oder anderweitig eingesetzt werden. Die Orientierungshilfe kann jedoch auch ohne das Ziel solcher Ergebnisse verwendet werden.
Schritte 1-6 dienen dazu, die ersten beiden Prinzipien zu erfüllen (Chatbot-Ausgaben hinterfragen und diesen Prozess dokumentieren), während Schritt 7 dazu dient, Prinzip 3 zu erfüllen (Reflexion im Team).
Schritt 1: Brauche ich diese Orientierungshilfe?
Diese Orientierungshilfe sollte immer dann zum Einsatz kommen, wenn die Chatbot-Ausgaben inhaltliche oder politische Entscheidungen beeinflussen können. Nicht benötigt wird sie etwa, wenn Chatbots genutzt werden, um Zahlen aus einem Dokument zu extrahieren. Um festzustellen, ob Entscheidungen beeinflusst werden könnten, stellen Sie sich folgende Fragen:
Verändert die Chatbot-Ausgabe mein Verständnis davon,
- welches Ziel ich erreichen möchten?
- welche Interessen für mich sichtbar und wichtig sind?
- welche Ursache und welche Wirkung ich bei meinem Problem/meiner Fragestellung wahrnehme?
- welche Lösungsoptionen ich in Betracht ziehe?
- wie ich Empfehlungen oder Entscheidungen begründe?
Sollten Sie sich unsicher sein, empfehlen wir, die Orientierungshilfe vorsorglich zu befolgen. Diese Empfehlung trifft ebenfalls zu, wenn ein KI-Chatbot erst zu einem späteren Zeitpunkt im Arbeitsablauf eingesetzt wird oder sich die Art seines Einsatzes verändert.
Schritt 2: Wer ist verantwortlich, wer prüft?
Benennen Sie eine einzelne Person, die für den Einsatz des KI-Chatbots verantwortlich ist. Dazu zählt, wie der Chatbot genutzt und welche Ausgaben akzeptiert werden. Die verantwortliche Person sollte direkt in die Arbeitsaufgaben involviert sein, für die der Chatbot eingesetzt wird.
Bestimmen Sie eine weitere Person, die die Interaktion mit dem Chatbot und die Ergebnisse überprüft. Die prüfende Person kann ein ranghöheres Teammitglied oder jemand mit spezifischem Wissen zum verantwortlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz sein.
Diese Aufgabenverteilung macht nachvollziehbar, wer wann und wofür einen KI-Chatbot genutzt hat. Zusätzlich soll sie sicherstellen, dass sich der Einfluss des Chatbots auf den Arbeitsablauf erklären lässt – und diese Erklärung überprüfbar ist.
Schritt 3: Welche potenziellen Risiken beim Einsatz eines KI-Chatbots gibt es?
Stellen Sie sicher, dass beide Personen (die verantwortliche und die prüfende) wissen, welche Risiken beim Einsatz von KI-Chatbots bestehen und wie hiermit umzugehen ist. Eine Übersicht der Risiken finden Sie im folgenden Abschnitt.
Besprechen Sie die Risiken in Ihrem Team und bieten Sie einander Unterstützung durch Beispiele und kurze Trainings an, damit die Aufgabe der Risikobeurteilung nicht von wenigen Personen abhängt, die mit Chatbots besonders vertraut sind.
Schritt 4: Ausgaben hinterfragen und überprüfen – betrifft die verantwortliche Person
Überprüfen Sie die Ausgaben des Chatbots und hinterfragen Sie sowohl die Ausgaben als auch Ihre eigene Vorgehensweise. Beachten Sie zur Hinterfragung der Ausgaben des KI-Chatbots die Risiken aus dem folgenden Abschnitt. Setzen Sie darüber hinaus Ihr eigenes Urteilsvermögen ein.
Beispiele:
- Stellen Sie eine Anfrage mit variierenden Prompts, um die ursprüngliche Ausgabe des Chatbots zu prüfen. Fragen Sie hierzu nach einer veränderten Perspektive oder einer anderen Zielgruppe.
- Bitten Sie hierzu ihre Teammitglieder um Hilfe, um unterschiedliche Hintergründe und Sichtweisen in den Prompt einfließen zu lassen.
- Nutzen Sie Methoden ohne Künstliche Intelligenz, um alternative Sichtweisen oder Empfehlungen zu finden. Beziehen Sie beispielsweise menschliche Expert*innen in die Diskussion ein, um die Ausgabe des Chatbots auszubauen oder weitere Fragen und Themen zu entwickeln.
- Recherchieren Sie in klassischen Quellen wie Literatur, Datenbanken und Suchmaschinen, um relevante Fakten unabhängig vom Chatbot zu prüfen.
Wie ausführlich diese Überprüfung abläuft, hängt von der Qualität der Ausgaben und der Tragweite der Entscheidung ab. Sie sollten sich sicher sein, dass sie die Chatbot-Ausgaben als ihre eigenen verantworten können. [3]
Schritt 5: Vorgehen dokumentieren – betrifft die verantwortliche Person
Dieser Schritt dient der Erfüllung des zweiten Prinzips – darzulegen, wie Sie die Entscheidungen des Chatbots hinterfragt oder akzeptiert haben. Als verantwortliche Person sollten Sie ausreichend Informationen sammeln, um folgende Fragen zu beantworten:
- Was hat der Chatbot zum Arbeitsablauf beigetragen und wo hat er ihn beeinflusst?
- Welche Ausgaben haben Sie akzeptiert und welche mit Skepsis betrachtet oder lediglich als Anstoß für weitere Schritte genutzt?
- Haben Sie ein anderes Framing für die Problemstellung in Betracht gezogen, und sind Sie dieser alternativen Herangehensweise gefolgt?
Für die Dokumentation ist keine einheitliche Vorlage notwendig, doch sollte sie ausreichend verständlich sein, um die Schritte zur Entscheidung nachvollziehen zu können.[4]
Schritt 6: Ergebnisse kontrollieren – betrifft die prüfende Person
Um sicherzustellen, dass das zweite Prinzip tatsächlich eingehalten wurde, sollte die Person, die zur Überprüfung bestimmt wurde, anhand der Chatbot-Antworten und der Dokumentation erkennen können, dass die Antworten des Chatbots hinterfragt wurden und die Hinterfragung, wo nötig, Konsequenzen hatte.
Diese Überprüfung ist Teil des korrekten Arbeitsablaufs und muss entsprechend bei der Zeitplanung bedacht werden. Sie sollte nicht als optionaler Ratschlag betrachtet werden, selbst wenn Zeitdruck besteht.
Wenn die prüfende Person nach der Kontrolle mit den Ergebnissen unzufrieden ist, wiederholen Sie die Schritte 4 und 5 (und, falls erforderlich, auch 2 und 3).
Schritt 7: Gemeinsam im Team evaluieren
Die Evaluierung muss nicht umfangreich sein – ein kurzes Meeting sollte dazu ausreichen. Verwenden Sie hierzu sowohl Beispiele aus den Chatbot-Ausgaben als auch aus der Dokumentation.
Sie und ihr Team sollten festhalten, wann Probleme mit den Chatbot-Antworten wiederholt vorkommen. Dazu zählen Standardantworten, mangelnde Quellenangaben oder auch eine zu große Abhängigkeit von den Antworten des Chatbots.
Sie sollten ebenso festhalten, wann Schritte zur Hinterfragung des Chatbots wirksam waren – beispielsweise variierende Prompts, die Einbeziehung von menschlichen Expert*innen oder weitere nachweislich erfolgreiche Methoden.
Nutzen Sie die Ergebnisse der Evaluierung gemeinsam mit den Beispielen und der Dokumentation als Material für kurze Team-Workshops. Verwenden Sie sie zudem, um Ihre Trainingsmaterialien fortlaufend zu aktualisieren.
Risiken beim Arbeiten mit Chatbots und bei der Überprüfung
Die folgende Tabelle trägt typische Risiken zusammen, die Entscheidungen unbemerkt beeinflussen können. Je nachdem, in welchen Bereichen Sie arbeiten und welche Materialien Sie für den Einsatz des KI-Chatbots verwenden, können weitere Risiken hinzukommen. Sie und Ihr Team sollten diese Liste im Verlauf mithilfe von Beispielen aus Ihrer eigenen Erfahrung erweitern, die Sie in der Evaluierung in Schritt 7 sammeln.
- Schmeichelei (Sykophanz)
- Intransparente Bewertung von Quellen
- Konvergenz
| Risiken beim Arbeiten mit Chatbots | |||
| Risiko: | Definition: | Wie Sie es erkennen: | Wie Sie es hinterfragen: |
| Schmeichelei (Sykophanz) | Die Antworten der KI spiegeln Ihre Meinung wider und stellen Sie als objektiv korrekt dar. | Das Sprachmodell passt seine Schlussfolgerungen an die im Prompt enthaltenen Präferenzen, die Rolle oder das Zielpublikum der nutzenden Person an – und präsentiert die Antwort dabei als neutrale Analyse. | Führen Sie einen Swap-Test durch, indem Sie einen ähnlichen Prompt mit anderem Schwerpunkt oder anderem Zielpublikum verwenden, und vergleichen Sie, ob sich die Empfehlungen oder Prioritäten wesentlich verändern. |
| Intransparente und unbegründete Bewertung von Quellen | Die KI lässt gültige Argumente ungerechtfertigt außer Acht, weil die Quelle bestimmte Merkmale aufweist. | Dieselbe Position wird vom Chatbot abhängig von der Quelle unterschiedlich bewertet, was zur Benachteiligung mancher Positionen führt. | Nutzen Sie einen identischen Prompt, aber ergänzen Sie weitere Quellen. Bewerten Sie die Antwort des Chatbots neu, dieses Mal allerdings ohne Berücksichtigung der Quellenangabe. Fragen Sie sich, welche Belege erforderlich wären, damit Sie die Behauptung akzeptieren können. |
| Konvergenz | Mehrere Personen erhalten in den Antworten des KI-Chatbots ein ähnliches Framing und ähnliche Empfehlungen. Das könnte daran liegen, dass das Modell auf eine geringe Menge an Standardantworten zurückgreift. Dies führt zu einem falschen Gefühl unabhängiger Übereinstimmung. | Ähnliche Überschriften, ähnliche, scheinbar offensichtliche Empfehlungen und ähnliche Abwägungen tauchen bei verschiedenen Personen auf, da die Prompts oder Systemeinstellungen einander ähneln und die Antwortmöglichkeiten begrenzt sind. | Wenn mehrere Personen den Chatbot nutzen, behandeln Sie Ähnlichkeiten als „gemeinsamen Einfluss“, nicht als Konsens. Vergleichen Sie, wie verschiedene Prompts formuliert wurden, und suchen Sie nach Ähnlichkeiten und Annahmen, die alle Personen teilen. Probieren Sie verschiedene Einstellungen aus, beispielsweise eine veränderte Temperatur (eine Einstellung, die bestimmt, wie weit der Chatbot von der wahrscheinlichsten Antwort abweichen soll). |
Auch bei der Überprüfung der Nutzung von Chatbots ergeben sich verschiedene Risiken. Personen, die mit der Überprüfung der Antworten beauftragt sind, sollten sicherstellen, dass sie diese Vorgänge vermeiden. Zudem sollte die Teamleitung mithilfe der Dokumentation aus Schritt 5 und der Evaluierung aus Schritt 7 dabei helfen, die Risiken zu reduzieren. Auch diese Liste sollte um weitere Beispiele ergänzt werden.
- Abnicken
- Fehlende Fachkompetenz
- Keine eindeutig verantwortliche Person
| Risiken beim Überprüfen des Chatbot-Einsatzes | |||
| Risiko: | Definition: | Wie Sie es erkennen: | Wie Sie es hinterfragen: |
| Abnicken | Die prüfende Person genehmigt Arbeitsabläufe ohne eine sinnvolle Überprüfung. | Die prüfende Person kann keine Belege vorlegen, dass alternative Formulierungen in Betracht gezogen wurden. Es gibt keine Dokumentation darüber, wie Entscheidungen angenommen oder abgelehnt wurden. | Verlangen Sie vor der Freigabe eines Arbeitsablaufs einen Nachweis, der ein Mindestmaß erfüllt (verwendete Prompts, eine Übersicht der Schritte zur Hinterfragung und die Änderungen an den Ergebnissen). Falls dieser Nachweis fehlt, schicken Sie die Ergebnisse des Arbeitsablaufs zur Überprüfung zurück. |
| Fehlende Fachkompetenz | Der prüfenden Person fehlt das Fachwissen, um die Argumentation der KI im jeweiligen Bereich zu bewerten. | Die Ergebnisse werden darauf basierend akzeptiert, ob die Argumente überzeugend erscheinen. Die prüfende Person ist nicht in der Lage zu erkennen, welcher Aspekt des Arbeitsablaufs entscheidend wäre, sollten die Ergebnisse falsch sein. | Leiten Sie die Ergebnisse nach Möglichkeit zur Überprüfung durch eine Person mit Fachexpertise weiter. Wenn dies nicht möglich ist, stellen Sie dar, wie die Antworten des Chatbots, die Einfluss auf die Ergebnisse hatten, überprüft wurden, bevor die Ergebnisse weitergeleitet oder als Entscheidungsgrundlage verwendet werden. |
| Es gibt keine eindeutig verantwortliche Person | Mehrere prüfende Personen gehen davon aus, dass andere Personen die Probleme erkennen werden. | Es ist unklar, wer über die Formulierung der Prompts entschieden und wer die Vorschläge des Chatbots akzeptiert hat. Probleme können deshalb nicht einer verantwortlichen Person zugewiesen werden. | Weisen Sie eine einzige verantwortliche Person für Arbeitsabläufe unter Einsatz von KI-Chatbots zu und stellen Sie sicher, dass es einen klaren Freigabeweg gibt. |
Der Kontext ist entscheidend: Kontrollmechanismen statt starrer Regeln
Die von uns beschriebenen Risiken hängen von verschiedenen Kontexten ab. Dazu zählen die Struktur Ihres Teams, das Thema des Arbeitsablaufs ebenso wie die Art und Weise, wie Ihre Teammitglieder mit KI-Chatbots interagieren. Es lässt sich keine einzelne Technik im Sinne einer Handlungsempfehlung wie „Schreiben Sie Prompts auf diese Weise“ ableiten.
Was sich jedoch vorschreiben lässt, ist das Vorhandensein von Kontrollmechanismen: benannte Verantwortlichkeiten, spezifische Überprüfungen und Mindestansprüche an die Dokumentation. Diese belegen, wie der Einfluss der KI getestet und hinterfragt wurde. Die oben genannten Anforderungen bilden ein Gerüst für diese Kontrollmechanismen.
Diese Orientierungshilfe basiert auf weitergehender Forschung von AlgorithmWatch dazu wie generative KI die politische Entscheidungen beeinflussen kann:
- [ENGLISH VERSION] Chatbots & Democratic Decisionmakers – Guidelines
- Could AI Chatbots influence a Government’s Decisions? (English) & Kurzfassung des vorherigen Texts auf Deutsch
- Regeln, die sich AlgorithmWatch selbst setzt: Verantwortungsvolle Nutzung von generativer KI: AlgorithmWatch schlägt diese Richtlinien vor
[1] Diese Empfehlungen basieren auf weiterführender Forschung von AlgorithmWatch zum selben Thema.
[2] Es gibt allerdings durchaus Hinweise, dass Politiker*innen generative KI in ihrer Entscheidungsfindung nutzen. Digitalminister Wildberger erklärte in einem ZEIT-Interview, er nutze eine KI, um seine Gedanken zu strukturieren – im Rahmen mehrerer Schleifen und für bis zu zwei Stunden täglich. IFG-Anfragen von AlgorithmWatch zur tatsächlichen Nutzung von KI in Ministerien blieben zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unbeantwortet.
[3] Allgemeingültige Leitlinien zum Umgang mit generativer KI: AlgorithmWatch-Richtlinien zum verantwortungsvollen Umgang mit KI.
Dr. Michele Loi (er/ihm)
Senior Scientific Advisor


