Meinungsbildung mit KI: Welche Informationen zeigen Googles KI-Übersichten zu Wahlen?

Das Symbol einer Lupe über einem roten Kreuz, das an eine Wahlabstimmung erinnert, auf einem türkisen Hintergrund.
Image credit: AlgorithmWatch (CC BY 4.0)
Clara Helming
Senior Policy Managerin

AlgorithmWatch hat im Juli 2026 untersucht, wie Googles KI-Übersichten mit Fragen zu wahlbezogenen Inhalten umgehen. Das Ergebnis: Es ist unklar, wann KI-Übersichten angezeigt werden, die Vielfalt der Quellen, die dafür herangezogen werden, ist begrenzt, und die Übersichten sind nicht neutral formuliert. Google gibt keine Auskunft darüber, nach welchen Kriterien KI-Übersichten angezeigt werden.

Zentrale Ergebnisse:

  • Google macht nicht transparent, nach welchen Kriterien das Unternehmen darüber entscheidet, wann eine KI-Übersicht angezeigt wird und wann nicht. Unseren Beobachtungen nach ist dies sehr uneinheitlich. Einige Beispiele:
    • Bei Fragen zu Wahlen zeigt Google deutlich weniger KI-Übersichten an als bei Fragen zu unpolitischen Themen.
    • Fragen nach Umfragen lösen durchgängig keine KI-Übersicht aus, während Fragen zu Parteien und einzelnen Kandidat*innen in 40 bis 50 Prozent der Fälle zu einer KI-Übersicht führen.
    • Google zeigt bei Fragen zu Sachsen-Anhalt deutlich weniger KI-Übersichten als bei Fragen zu Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
  • Die Vielfalt der Quellen in KI-Übersichten ist begrenzt: Fast die Hälfte aller angezeigten Links stammten von nur zehn verschiedenen Anbietern.
  • Die konzerneigene Plattform YouTube ist das meistzitierte Angebot in KI- Übersichten bei Suchanfragen über Kandidat*innen. Das deutet darauf hin, dass Google die konzerneigene Plattform gegenüber anderen Quellen bevorzugt, was das Unternehmen auf Nachfrage bestreitet.
  • Zu den meistzitierten Domains gehören neben Social-Media-Plattformen Seiten von Medien, vor allem öffentlich-rechtlicher Sender, sowie Wikipedia, Regierungsseiten und Parteiseiten. Die Quellen in KI-Übersichten sind also relativ ausgewogen. Allerdings stehen Internetseiten der Parteien ohne Einordnung neben neutralen Informationsangeboten.
  • Politische Positionen von Kandidatinnen werden in KI-Übersichten häufig nicht neutral beschrieben, sondern mit positiven Formulierungen wiedergegeben, die in manchen Fällen an die Selbstbeschreibungen der Kandidat*innen und Parteien erinnern.

Clara Helming, Senior Policy Managerin bei AlgorithmWatch und Projektleiterin der Untersuchung, sieht das größte Risiko in der fehlenden Transparenz: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Google im Hintergrund bewusste Entscheidungen trifft, wann eine KI-Übersicht zu den Wahlen angezeigt wird, wie die Inhalte formuliert sind und welche Quellen zitiert werden. Allerdings macht das Unternehmen diese Entscheidungen nicht transparent. Das ist problematisch, denn Googles Produktentscheidungen beeinflussen wichtige Vorbedingungen der Meinungsbildung in der Demokratie: den Zugang zu verlässlichen Informationen und vielfältigen Quellen.”

Methodik:

Für die Untersuchung der Google KI-Übersichten anlässlich der Landtagswahlen im September 2026 hat AlgorithmWatch über einen Antrag nach Artikel 40 Absatz 12 des Digital Services Acts (DSA) Zugang zu Googles „Search Researcher Result“-Softwareschnittstelle erhalten. Über diese hat die Organisation 4.480 Suchanfragen zu den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gestellt, die Ergebnisse erfasst und die KI-Übersichten sowie deren Quellen ausgewertet.

Die gesamte Studie ist hier nachzulesen: