Pressemitteilung

Investitionspläne von Google: Nachhaltigkeit und Transparenz in den Blick nehmen

Google plant Rechenzentren in Deutschland. Das wirft kritische Fragen hinsichtlich Energieverbrauch und Transparenz auf.

Berlin, 11. November 2025 - Am heutigen Dienstagnachmittag möchte Google gemeinsam mit Finanzminister Lars Klingbeil einen Plan für Großinvestitionen in Rechenzentren in Deutschland bekanntgeben. Das wirft kritische Fragen hinsichtlich Energieverbrauch und Transparenz auf.

Hierzu kommentiert Dr. Julian Bothe, Senior Policy Manager Klimaschutz & KI bei AlgorithmWatch:

„Große Investitionen wie die geplanten Rechenzentren von Google brauchen kluge Rahmenbedingungen. Ohne solche Regulierungen droht statt wachsender Unabhängigkeit eine stärkere Abhängigkeit von fossilen Energien, großen Tech-Konzernen und ihren Versprechen. Neue Rechenzentren benötigen zwingend zusätzliche erneuerbare Energien. Die Angaben der Betreiber müssen zudem unabhängig überprüfbar sein. Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass Google den Energieverbrauch seiner Rechenzentren in jeder Stunde aus eigens erzeugten erneuerbaren Energien decken möchte. Googles eigene Zahlen zeigen jedoch, dass die Erreichung dieses Ziels noch in weiter Ferne liegt: Nachdem Google für 2022 und 2023 sehr gute Werte angegeben hatte, sind Googles Rechenzentren in Deutschland 2024 bei stundenweiser Betrachtung lediglich zu 68 Prozent mit erneuerbaren Energien gelaufen – der Rest kam aus fossilen Quellen."

Ein grundsätzliches Problem dieser Angaben: Google veröffentlicht zwar kumulierte Prozentzahlen zur Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland – überprüfbar sind diese aber nicht. Auch die Gesamtsummen für alle Rechenzentren in Deutschland gibt der Konzern nicht bekannt. Nach dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG) ist der Konzern zudem zur Veröffentlichung des Energieverbrauchs der einzelnen von Google selbst betriebenen Rechenzentren verpflichtet, öffentlich auffindbar sind diese Daten augenscheinlich jedoch nicht. Unbekannt ist zudem, auf welchen weiteren Rechenzentren Google Rechenkapazität mietet und welche Energie die dort laufenden Anwendungen verbrauchen. Aber auch diese Rechenzentren anderer Betreiber dürften erheblich zum Energieverbrauch Googles in Deutschland beitragen.

„Ohne Transparenz sind Ankündigungen und Versprechen nicht überprüfbar. Wer eine Ankündigung macht und selbst an die eigenen Worte glaubt, sollte sie für andere überprüfbar machen. Wer das nicht macht, setzt sich automatisch dem Verdacht aus, dass die eigenen Versprechen nichts als heiße Luft sind. Es wäre leider nicht das erste Mal, dass von Googles Ankündigungen am Ende wenig übrig bleibt“, sagt Dr. Julian Bothe.

Eine jüngst auch von AlgorithmWatch veröffentlichte, für Deutschland repräsentative Umfrage hat gezeigt, dass mehr als drei Viertel der Menschen in Deutschland der Auffassung sind, dass Betreiber von Rechenzentren ihren Energieverbrauch (76 Prozent), ihre Energiequellen (77 Prozent) und ihre Umweltauswirkungen (81 Prozent) offenlegen sollten. Sieben von zehn Menschen (70 Prozent) wollen, dass Anbieter von digitalen Dienstleistungen und Systemen Transparenz darüber herstellen, welche Rechenzentren sie für ihre Dienste benutzen.

„Die Ankündigungen von Google sind nur ein Vorbote, welches Wachstum von Rechenzentren Deutschland noch bevorsteht. Damit das in einem nachhaltigen Rahmen passiert, braucht es eine starke Regulierung. Es ist ein fatales Signal, wenn die Bundesregierung, wie letzten Mittwoch angekündigt, in dieser Situation das Energieeffizienzgesetz quasi abschaffen will. Ohne starke Gesetze schafft das Kabinett keine Planungssicherheit – und auch die eigenen Nachhaltigkeitsziele drohen den Bach herunterzugehen“, so Dr. Julian Bothe.

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