Pressemitteilung
Energieeffizienzgesetz: AlgorithmWatch und Partner warnen vor Rückschritten bei Nachhaltigkeit und Transparenz von Rechenzentren
In einem aktuellen Positionspapier kritisieren AlgorithmWatch und vier Partnerorganisationen die Pläne der Bundesregierung, das Energieeffizienzgesetz abzuschwächen, und fordern: Verbrauchswerte von Rechenzentren dürfen keine Geschäftsgeheimnisse sein.

Berlin, 09. April 2026 – Angesichts der geplanten Novelle des Energieeffizienzgesetzes fordern AlgorithmWatch und vier Partnerverbände in einem gemeinsamen Positionspapier, die bestehenden Effizienzanforderungen und Berichtspflichten beizubehalten und zusätzlich weitere Maßnahmen für mehr Energieeffizienz zu ergreifen. Zu den Unterzeichnern des Papiers zählen neben AlgorithmWatch die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz DENEFF, die Umweltorganisation Bellona, das Digitalrechtsnetzwerk Bits & Bäume und das Umweltinstitut München.
Durch die Gesetzesnovelle will Bundeswirtschaftsministerin Reiche unter anderem die Regeln für das Energiemanagement und die Effizienzanforderungen für Rechenzentren abschwächen. Zudem sollen bestehende Veröffentlichungspflichten mit dem Verweis auf Geschäftsgeheimnisse eingeschränkt werden: So sieht der Entwurf für die Gesetzesnovelle vor, dass Verbrauchswerte - dazu zählen der Energieverbrauch und die Energieeffizienz - von den Rechenzentrenbetreibern nicht veröffentlicht werden müssen, wenn sie als Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse deklariert werden. Die Vorlage orientiert dabei sich nachweislich an Vorschlägen von Google, Microsoft und weiteren internationalen Tech-Unternehmen, wie eine Recherche von LobbyControl und Campact kürzlich ergab.
Dr. Julian Bothe, Senior Policy Manager für KI und Nachhaltigkeit bei AlgorithmWatch, kommentiert:
„Mit dem Verweis auf ,Geschäftsgeheimnisse' versuchen Google und Co. ein weiteres Mal, den gigantischen Energieverbrauch der von ihnen genutzten Rechenzentren vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Anstatt in Zeiten der Energiekrise endlich auf Energieeffizienz zu setzen, droht Wirtschaftsministerin Reiche erneut, vor den Lobby-Bemühungen der Tech-Giganten einzuknicken.“
Zusätzlich zur Beibehaltung der Transparenzstandards fordern AlgorithmWatch und die Partnerorganisationen, Rechenzentren ab 2027 zu jedem Zeitpunkt mit Strom aus erneuerbaren Energien zu betreiben, der aus zusätzlich errichteten Anlagen stammt und in das gleiche Netz eingespeist wird wie der genutzte Strom. Bislang gilt die Pflicht zur Nutzung von erneuerbaren Energien ab 2027 nur bilanziell auf ein Jahr gerechnet und kann durch sogenannte „Herkunftszertifikate”, beispielsweise aus Norwegen und Island, erfüllt werden.
Dr. Julian Bothe erläutert: „Die bestehenden Grünstromregeln sind Augenwischerei zu Lasten der Energiewende. Sogar Rechenzentren, die ausschließlich mit Gaskraftwerken betrieben werden, können als ,grün’ gelten - die Betreiber müssen nur zum Telefonhörer greifen und die entsprechenden Zertifikate kaufen. Ministerin Reiche muss endlich sicherstellen, dass der Ausbau der Rechenzentren nicht zum weiteren Ausbau fossiler Infrastruktur führt.“
Ebenso fordern die Organisationen, dass Betreiber weiterhin verpflichtet werden, Rechenzentren so zu betreiben, dass ihre Abwärme genutzt werden kann. Pauschale Abstandsregelungen und Ausnahmen unter Verweis auf abstrakte Kosten-Nutzen-Rechnungen, wie sie im aktuellen Entwurf der Novelle vorgesehen sind, schaffen lediglich Anreize, die Abwärmenutzung zu umgehen.
Aus Sicht von AlgorithmWatch und den Partnerorganisationen sind die geplanten Änderungen im Energieeffizienzgesetz ein klarer Rückschritt. Gleichzeitig betonen die Organisationen die Chancen, die Energieeffizienz-Maßnahmen für die deutsche Industrie und Volkswirtschaft bieten. Transparente Verbrauchswerte von Rechenzentren sind dabei eine notwendige Voraussetzung für mehr Wettbewerb um Effizienz, in die insbesondere deutsche und europäische Anbieter bereits investiert haben. Können Betreiber diese Informationen als Geschäftsgeheimnisse deklarieren, schadet dies nicht nur heimischen Anbietern, sondern ebenso der digitalen Souveränität Deutschlands.
Das vollständige Positionspapier ist hier abrufbar:
Details zur Einflussnahme von Google, Microsoft und anderen Verbänden auf die Novelle des Energieeffizienzgesetzes sind auf Anfrage verfügbar.