Pressemitteilung

Wenn ChatGPT die Meinung des Kanzlers ändert: AlgorithmWatch untersucht Einfluss von KI-Chatbots auf Bundesregierung

KI-Chatbots können politische Entscheidungen beeinflussen. Damit geprüft werden kann, ob das passiert und wie, müssten Kanzler und Minister*innen transparent machen, wie sie KI nutzen. Bislang weigern sie sich jedoch, wie Recherchen von AlgorithmWatch zeigen.

9. April 2026

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Person benutzt Chatbot auf dem Laptop, der auf einem Schreibtisch steht; im Hintergrund liegen Papiere und ein Stuhl.

Berlin, 09. April 2026 – Digitalminister Karsten Wildberger nutzt KI-Chatbots laut einem Interview in der ZEIT „ein, zwei Stunden am Tag“, um „seine Gedanken zu strukturieren“. In einer Antwort auf eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG), die AlgorithmWatch an Wildbergers Ministerium richtete, hieß es allerdings, Wildberger nutze „in seiner Funktion als Bundesminister“ keine KI-Chatbots. Das Büro von Dorothee Bär, Ministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, antwortet auf die IFG-Anfrage, die Ministerin habe bislang „keine externen KI-Chatbots oder ähnliche öffentlich zugängliche KI-Dienste für dienstliche Angelegenheiten genutzt“ – Social-Media-Posts mit KI-generierten Inhalten legen allerdings anderes nahe. Die IFG-Anfrage an Bundeskanzler Merz wurde gar nicht beantwortet, die vorgesehene gesetzliche Frist damit gerissen.

Digitalminister Wildberger setzt sich dafür ein, dass KI in deutschen Verwaltungen genutzt wird. Die Institutionen der EU gaben gerade bekannt, keine generative KI für Bilder und Videos in der Kommunikation mehr zu nutzen. Deutsche Ministerien posten vermeintlich lustige KI-Videos auf Social Media und im Wahlkampf macht jede Partei mit KI, was sie für richtig hält. Wer auf der politischen Entscheidungsebene welche KI-Anwendungen zu welchen Zwecken einsetzt, ist nach wie vor ein Flickenteppich aus theoretischen Leitlinien und tatsächlichen Schatten-Nutzungen. AlgorithmWatch hat untersucht, wie Mitglieder der Bundesregierung KI-Chatbots nutzen und wie sich die Nutzung auf politische Entscheidungen auswirken kann. Obwohl die Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz bisher wenige Informationen liefern, gibt es wichtige Erkenntnisse:

Für Dr. Oliver Marsh, Leiter des Teams Tech Research von AlgorithmWatch, ist es schwer vorstellbar, dass beispielsweise Karsten Wildbergers Chatbot-Nutzung keinen Einfluss auf sein Regierungshandeln hat: „Grundsätzlich ist es völlig in Ordnung, dass auch die Menschen, die beispielsweise in Ministerien arbeiten, KI-Chatbots benutzen. Aber es besteht die Gefahr, dass die Vorurteile und Präferenzen der Chatbots über Menschen mit politischer Macht in Gesetze und Entscheidungen einfließen, die Staat und Bürger*innen betreffen. Das findet aus unserer Sicht bislang zu wenig Beachtung.”

In der neuen Untersuchung hat AlgorithmWatch neben den direkten Anfragen ebenfalls getestet, wie Chatbots die Meinungsbildung von politischem Spitzenpersonal beeinflussen können. Eine der Erkenntnisse: Kontextuelle Informationen im Prompt, wie zum Beispiel: „Ich informiere Minister X über das Thema Y“, können die Ausgaben von Chatbots erheblich verändern, teilweise sogar ins Gegenteil verkehren. Zusätzlich wurden öffentlich verfügbare Informationen ausgewertet, darunter auch Leitlinien zur KI-Nutzung.

„Gerade Menschen in herausgehobenen Positionen müssen aufpassen, dass sie nicht durch verzerrte oder voreingenommene Ausgaben von Chatbots beeinflusst werden. Das betrifft sowohl Text- als auch Bildausgaben. Das ist alles andere als trivial, da solche Formen der Beeinflussung oft unmerklich passieren und ihnen mit einer klassischen Faktenprüfung meist nicht beizukommen ist. Offenkundige Fehler und falsche Quellen sind deutlich leichter zu entdecken als Tendenzen oder Auslassungen. Auch wenn es Leitlinien zur Nutzung gibt, wissen wir bisher überhaupt nicht, wie sich Menschen in Positionen mit politischer Verantwortung vor dieser subtilen Form der Einflussnahme schützen“, sagt Dr. Oliver Marsh.

AlgorithmWatch hat bereits Lücken in den bestehenden Leitlinien identifiziert und entwickelt weitergehende Empfehlungen speziell für politische Entscheidungsträger*innen. „Wir wollen besser verstehen, wie Chatbots in Regierungen genutzt werden, um dazu beizutragen, Beeinflussungen zu verhindern. Dafür sind wir auch auf die Zusammenarbeit mit den betreffenden Personen angewiesen”, fasst Dr. Marsh zusammen. AlgorithmWatch sucht dazu aktiv den Kontakt zu weiteren Regierungsmitgliedern.

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