Pressemitteilung
Schufa-Schattendatenbank: AlgorithmWatch startet Petition und unterstützt Menschen bei Auskunft über Geheimdaten
Die Schufa betreibt eine Datenbank mit sensiblen, teils veralteten Daten. AlgorithmWatch setzt eine Petition dafür auf, dass diese Daten gelöscht werden und stellt ein Formular bereit, mit dem potenziell Betroffene Auskunft von der Schufa verlangen können.

Berlin, 16. Juli 2026 – Seit vielen Jahren betreibt die Schufa offenbar eine Datenbank mit zum Teil sensibelsten Informationen über Millionen von Menschen in Deutschland, die sie nach Ansicht von Expert*innen nicht aufbewahren darf. AlgorithmWatch hat nun eine Petition gestartet, die die Schufa auffordert, diese Daten sofort zu löschen. Außerdem bietet die Organisation allen 68 Millionen potenziell Betroffenen Unterstützung an: Über ein Formular können sie Auskunft darüber verlangen, ob und welche Informationen über sie in der Schufa-Schattendatenbank enthalten sind.
Wie NDR und Süddeutsche Zeitung berichten, betreibt die Schufa neben der „offiziellen” Schufa-Datenbank „noch eine zweite Sammlung, von der selbst viele Fachleute nichts wussten: ‚Historische‘ Daten von Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern, veraltete Informationen, die Jahre zurückreichen und von denen die Betroffenen bislang annahmen, dass sie längst gelöscht seien. Alte Kredite und Kreditkarten, Pfändungen und Privatinsolvenzen, Schulden, die die Betroffenen oft schon vor Jahren beglichen haben. Sensible Informationen, die großen Schaden anrichten können, wenn sie in die falschen Hände geraten“, so der NDR. [Link unten]
Diese sensiblen Daten nutzt die Schufa offenbar für Tests ihres neuen Scoring-Verfahrens, deren Ergebnisse sie an Firmen wie Banken, Telekommunikationsfirmen, Energieversorger, große Handelsunternehmen, E-Commerce-Anbieter und Zahlungsdienstleister weitergibt. Die Betroffenen erfahren davon nichts.
Dazu Matthias Spielkamp, Geschäftsführer von AlgorithmWatch:
„Dass die Schufa offenbar riesige Mengen an Daten über viele Millionen von Menschen aufbewahrt, die sie längst hätte löschen müssen, zum Teil seit vielen Jahren, und dann Betroffenen nicht einmal Auskunft darüber gibt, ist womöglich der größte Datenskandal der deutschen Geschichte.“
In einer Petition auf der Plattform WeAct erhebt AlgorithmWatch daher zwei Forderungen:
Die Schufa muss diese Schattendatenbank augenblicklich löschen.
Der Hessische Datenschutzbeauftrage muss seine Prüfung der Schufa-Schattendatenbank so schnell wie möglich abschließen und, sollte sie rechtswidrig sein, das höchstmögliche Bußgeld von 20 Millionen Euro gegen die Schufa verhängen.
https://algorithmwatch.org/de/schufa-skandal-schattendatenbank-sofort-loeschen/
AlgorithmWatch stellt Formular zur Datenabfrage bereit
Bei AlgorithmWatch können Betroffene außerdem eine Auskunftsanfrage direkt an die Schufa schicken. In dieser Anfrage wird deutlich gemacht, dass die Schufa auch die Daten herausgeben soll, die in der Schattendatenbank enthalten sind. AlgorithmWatch bietet diese Möglichkeit an, weil die Schufa selbst die Daten offenbar auch dann bisher nicht herausgibt, wenn Menschen ihr Auskunftsersuchen auf Basis der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) direkt an die Schufa richten: „Wir weisen historische Daten auf der Datenkopie nach Art. 15 DSGVO nicht gesondert aus“, so die Schufa auf ihrer Website.
Nach Aussage von Ruth Janal, Professorin für Wirtschaftsrecht an der Universität Bayreuth und Expertin für Bonitätsprüfung und Verbraucherrecht, ist das rechtswidrig: Das in der europäischen Datenschutz-Grundverordnung verankerte Auskunftsrecht umfasse „natürlich auch diese von der Schufa als historische Daten bezeichneten Daten”, so Janal gegenüber dem NDR.
Zum Auskunftsformular: https://algorithmwatch.org/de/schufa-schattendatenbank-jetzt-auskunft-uber-ihre-daten-beantragen/
Aber auch die Datenschutzaufsicht muss nun handeln, so Spielkamp:
„Der hessische Datenschutzbeauftragte muss die seit mehr als einem Jahr laufende Prüfung nun unverzüglich abschließen – und sollte sich herausstellen, dass die Schattendatenbank illegal ist, muss er nicht nur anordnen, dass die Schufa sie sofort löscht, er muss auch die höchstmögliche Strafe von 20 Millionen Euro verhängen.“
Hintergrund
Die Schufa ist eine der mächtigsten Firmen Deutschlands. Nach eigenen Angaben hat sie Daten über das Zahlungsverhalten von mehr als 68 Millionen Personen gesammelt. Diese Daten entscheiden darüber mit, wer eine Wohnung oder einen Kredit bekommt, einen Handy- oder Internetvertrag abschließen kann und ob wer online per Rechnung bezahlen darf oder Vorkasse leisten muss.
AlgorithmWatch setzt sich seit vielen Jahren für eine bessere Regulierung und Aufsicht der Schufa ein, weil ihre Scores für automatisierte Entscheidungen über Menschen verwendet werden und somit über deren gesellschaftliche Teilhabe mitentscheiden. Nach der Recherche OpenSCHUFA, für die AlgorithmWatch zusammen mit der Open Knowledge Foundation 2019 für den Grimme Online Award nominiert war, hatte die damalige Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Katharina Barley, gefordert, mehr Transparenz in Scoring und Bonitätsauskünfte zu bringen. Für ihr Engagement dafür, dass Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) Gerechtigkeit, Demokratie, Menschenrechte und Nachhaltigkeit stärken, statt sie zu schwächen, wurde AlgorithmWatch 2023 mit dem Brandenburger Freiheitspreis und 2024 mit dem Bundespreis Verbraucherschutz ausgezeichnet.
Quellen:
- Petition: Schufa-Skandal: Schattendatenbank sofort löschen!: https://algorithmwatch.org/de/schufa-skandal-schattendatenbank-sofort-loeschen/
- Die Schattendatenbank der Schufa: https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/schufa-verbraucher-daten-100.html
- OpenSCHUFA: https://openschufa.de/
- Wie prüfen Unternehmen die Zuverlässigkeit des neuen SCHUFA-Scores?: https://www.schufa.de/newsroom/bonitaet/so-pruefen-unternehmen-zuverlaessigkeit-neuen-schufa-scores/