Pressemitteilung
Zwischenfazit und Geschenk: Der Digital Services Act wird drei Jahre alt

Berlin, 02. Oktober 2025. Am 4. Oktober 2025 wird der Digital Services Act (DSA) drei Jahre alt. Auch wenn es Verbesserungsbedarf gibt, sieht AlgorithmWatch den DSA als grundsätzlich wegweisendes Gesetz. Gemeinsam mit anderen Organisationen gibt es ein besonderes Geschenk.
Gemeinsam mit der Mozilla Foundation und dem DSA40 Data Access Collaboratory hat AlgorithmWatch anlässlich des dritten Geburtstags des DSA eine neuartige „Massenanfrage” ins Leben gerufen. Deren Ziel ist es, dass mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen von diversen Betreibern großer Online-Plattformen täglich eine Übersicht über die viralsten Beiträge in jedem EU-Mitgliedstaat erhalten. Zu den Plattformen gehören Facebook, Instagram, LinkedIn, TikTok, YouTube und X. Die Entscheidung, die Anfrage anzunehmen oder abzulehnen, liegt bei den Plattformen.
„Wir wollen schnell erkennen können, welche Inhalte potenziell die größte Wirkung haben, und besser verstehen, welche Art von Inhalten durch die Algorithmen am stärksten gefördert werden. Sollten die Plattformen unsere Anfrage ablehnen, sind wir bereit, diese Entscheidung anzufechten”, sagt Oliver Marsh, Head of Tech Research bei AlgorithmWatch.
Möglich macht diese Anfrage der DSA, der vorschreibt, dass Plattformen „ohne unangemessene Verzögerung” Zugang zu öffentlichen Daten gewähren müssen.
Der Datenzugang für Forschung, Zivilgesellschaft und Journalist*innen ist einer der wichtigsten Elemente des DSA. Diese Daten sind unverzichtbar, um potenzielle Risiken und Schäden im Internet zu erkennen. Hier klaffen Möglichkeit und Wirklichkeit allerdings auseinander: „Viele Unternehmen beachten die bestehenden Regeln für den Zugang zu öffentlichen Daten leider kaum. X weigert sich beispielsweise regelmäßig, Daten herauszugeben. Ganz aktuell betrifft das ein AlgorithmWatch-Projekt zum Thema ‘Non-consensual Sexualization Tools’ (NSTs, oft auch als ‘Nudifying-Apps’ bekannt). Auch andere Plattformen, darunter Meta und TikTok, haben in der Vergangenheit Daten von geringer Qualität geliefert oder enorme Hürden aufgestellt”, konstatiert Oliver Marsh.
Der zweite wesentliche Bestandteil des DSA ist die Risikobewertung, die aktiv von den sehr großen Plattformen durchgeführt werden muss. Allerdings hält auch diese Idee noch nicht, was sie verspricht. „Die ersten Risikobewertungsberichte haben keinen wirklichen Nutzen und es ist auch noch nicht wirklich geklärt, wie der DSA systemische Risiken von anderen Risiken unterscheidet”, sagt Oliver Marsh.
Ein systemisches Risiko für zuverlässige Medien und den Journalismus dürften die generativen KI-Zusammenfassungen bei viel genutzten Suchmaschinen darstellen. „Der Traffic zu Quellen wie Zeitungen und Websites wird weiter abnehmen. Das ist ein ernstes Risiko dafür, dass zuverlässiger Journalismus kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr sein wird - findet aber unter dem DSA bisher keine Berücksichtigung”, ergänzt Marsh.
Die großen Tech-Konzerne werden weiterhin Produkte wie diese KI-Zusammenfassungen am Publikum testen. Die zunehmende Annäherung vieler Tech-CEOs an die antidemokratischen Kräfte in den USA – und an politische Kräfte in Europa, die sie als Vorbild sehen – birgt ein wachsendes Risiko, dass intransparente Algorithmen statt nachvollziehbarer Moderationsentscheidungen öffentliche Debatten beeinflussen. Angesichts dieser und anderer Herausforderungen kann der DSA vielen verschiedenen Gruppen Instrumente an die Hand geben, demokratische Kontrolle auszuüben. „Wir sind froh, dass es den DSA gibt. Aber wir hoffen, dass bis zu seinem nächsten Geburtstag seine Fähigkeiten wachsen werden”, fasst Oliver Marsh zusammen.
Mehr Informationen:
- Zwischenfazit zu drei Jahren DSA: https://algorithmwatch.org/de/dsa-geburtstag-zwischenfazit
- Mehr Informationen zur Massenanfrage: https://t1p.de/vmf1k (Kurzfassung)
- AlgorithmWatch-Leitfaden für einen Datenzugang nach DSA: https://t1p.de/gk4ae
- Beschwerde gegen Googles „AI Overviews“ nach DSA: https://t1p.de/wkz1l