Dossier: Automatisiertes Personalmanagement und Mitbestimmung

KI-basierte Systeme für das Personalmanagement – was ist fair, was ist erlaubt?

Unternehmen, die im Personalmanagement Systeme mit so genannter Künstlicher Intelligenz verwenden, handeln möglicherweise rechtswidrig – oft, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Denn „People Analytics“-Verfahren dürfen nicht eingesetzt werden, ohne dass Beschäftigte individuell eingewilligt haben oder eine Betriebsvereinbarung vorliegt. Das wird in der Praxis oft nicht der Fall sein.

Zudem erfüllen „Black-Box“-Systeme, deren Funktionsweise dem Betriebsrat auf Anfrage nicht erläutert werden kann, nicht die Auskunftsanforderungen des Betriebsverfassungsgesetzes. Autonomie und Mitsprache der Beschäftigten müssen auch dann gewährleistet sein, wenn algorithmische Systeme zum Personalmanagement eingesetzt werden; es ist ethisch nicht zu rechtfertigen, Arbeitnehmer·innen zu reinen Objekten derartiger Verfahren zu machen. Doch sie müssen sich auch selber sich angemessene Kompetenzen erarbeiten, um diese Verfahren zu verstehen.

Das ist das Ergebnis des Forschungsprojekts „Automatisiertes Personalmanagement und Mitbestimmung“, das AlgorithmWatch in den vergangenen zwei Jahren mit Mitteln der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt hat.

  • Beschäftigte müssen einzeln und freiwillig zustimmen, wenn sogenannte People-Analytics-Verfahren eingesetzt werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese Einwilligung sehr oft nicht vorliegt. Alternativ könnte eine Verarbeitung von Beschäftigtendaten im Rahmen von People Analytics auch durch Betriebsvereinbarungen legitimiert werden. Sie sind allerdings nicht erzwingbar, weil ein einschlägiges Mitbestimmungsrecht fehlt.
  • Betriebsräte und Unternehmen müssen prüfen, ob der Einsatz von KI-Systemen rechtskonform erfolgt. Es ist zu erwarten, dass Arbeitgeber in vielen Fällen den Beschäftigten und ihren gewählten Interessenvertretungen nicht in dem Maß Informationen zur Verfügung stellen können, wie es das Gesetz verlangt, weil die KI-Anbieter diese Informationen nicht herausgeben.
  • Die Bundesregierung muss gesetzlich klarstellen, dass Arbeitgeber auch dann Transparenz über die verwendeten Methoden gewährleisten müssen, wenn die Hersteller der Software keine Auskünfte erteilen wollen.
  • Hersteller müssen aktiv Möglichkeiten dafür entwickeln und anbieten, um sowohl den Beschäftigten als auch ihren Betriebsräten angemessen Auskunft über die Funktionsweise KI-basierter Systeme geben zu können.
  • Betriebsräte müssen ihre Auskunftsrechte gegenüber Arbeitgebern bereits in der Planungsphase von KI-Systemen aktiv durchsetzen, da sich die praktische Wirksamkeit und Durchsetzbarkeit ihrer Mitbestimmungsrechte verringert, sobald Systeme eingeführt sind.
  • Unternehmen und Betriebsräte müssen dafür sorgen, dass auf Seiten der Beschäftigten und des Personalmanagements angemessene Kompetenz vorhanden ist, aus diesen Informationen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Gewerkschaften sollten hierbei sowohl auf der betrieblichen, als auch der politischen Ebene unterstützen.

Lesen Sie unsere Forderungen und Empfehlungen im Detail im Positionspapier.

 

Das Dossier im Überblick

Positionspapier
Rechte und Autonomie von Beschäftigten stärken – Warum Gesetzgeber, Unternehmen und Betriebsräte handeln müssen

Leitfaden
Automatisierte Entscheidungen und Künstliche Intelligenz im Personalmanagement. Ein Leitfaden zur Überprüfung essenzieller Eigenschaften KI-basierter Systeme für Betriebsräte und andere Personalvertretungen
Prof. Dr. Sebastian Stiller (TU Braunschweig), Jule Jäger (TU Braunschweig) & Sebastian Gießler (AlgorithmWatch)

Gutachten
Automatisierung im Personalmanagement – arbeitsrechtliche Aspekte und Beschäftigtendatenschutz
Prof. Dr. Peter Wedde

Gutachten (Englisch)
People Analytics must benefit the people. An ethical analysis of data-driven algorithmic systems in human resources management
Dr. Michele Loi

Gutachten
Bestehende und künftige Regelungen des Einsatzes von Algorithmen im HR-Bereich
Prof. Dr. Kai v. Lewinski, Raphael de Barros Fritz, LL.M. (Tulane)/cand. iur. Katrin Biermeier (Passau)

Veröffentlicht im Rahmen des Forschungsprojekts Automatisiertes Personalmanagement und Mitbestimmung, gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung

 

Medienspiegel

Süddeutsche Zeitung | 2. März 2020 
Personalanalyse von Mitarbeitern oft rechtswidrig

heise online | 2. März 2020 
Zalando & Co.: Personalanalyse mit Big Data in der dunkelgrauen Zone

Der Standard | 2. März 2020 
Studie: Automatisierte Mitarbeiterüberwachung womöglich rechtswidrig

Deutschlandfunk Nova | 2. März 2020
Überwachung am Arbeitsplatz: Mein Kollege nervt. Der Computer weiß Bescheid

golem.de | 2. März 2020
Datenschutz bei MyAnalytics: Microsoft weiß, wo deine freie Zeit bleibt

Süddeutsche Zeitung | 3. März 2020
Einsatz von KI im Arbeitsleben: Intelligenztest für Hubertus Heil

Der Standard | 10. März 2020
Von Lernsieg bis Apple: Online-Reviews setzen Menschen unter massiven Druck

Politico.eu | 11. März 2020
AI: Decoded […] Workforce surveillance

Haufe.de | 12. März 2020
KI-Lösungen im Personalmanagement verstoßen oft gegen das Betriebsverfassungsrecht

 

 


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