Automatisiertes Personalmanagement und Mitbestimmung

Im Forschungsprojekt "Automatisiertes Personalmanagement und Mitbestimmung" untersuchen wir ADM-Systeme, die dazu eingesetzt werden, Leistungen von Arbeitnehmer*innen zu beurteilen und zu steuern.

Welche vom Unternehmen geschätzte Mitarbeiterin ist unzufrieden und wird demnächst kündigen? Welcher Mitarbeiter hat Potenzial und sollte fortgebildet werden, welcher ist unmotiviert und sollte im Mitarbeitergespräch darauf hingewiesen werden, dass er im Unternehmen keine Zukunft hat, wenn er seien Haltung nicht ändert? Was für den einen die Chance zu größerer Zufriedenheit von Unternehmen und MitarbeiterInnen darstellt, ist für den anderen eine Dystopie aus Überwachung und Kontrolle: Unternehmen setzen auf Systeme zur algorithmisch gesteuerten, automatisierten Entscheidungsfindung oder -vorbereitung (algorithmic/automated decision making, ADM) im Personalmanagement. Wir wollen herausfinden, welche Funktionen sie den Anwendern – also den Unternehmen – und den Betroffenen – also den MitarbeiterInnen – bieten, welche Informationen die MitarbeiterInnen über den Einsatz der Systeme haben und welches Mitspracherecht bei ihrem Einsatz besteht.

 

Projektbeschreibung

1. Kontext

Durch die Einführung von automatisierten datenauswertenden Mechanismen, die bei Rekrutierung, Management und Leistungsbewertung von Arbeitnehmern assistieren, ändern sich unmerklich und nachhaltig die Konventionen hinsichtlich Anstellungskriterien, der Arbeitszeit und des Arbeitspensums, und nicht zuletzt auch die Erwartungshaltung von Arbeitnehmer/innen und Arbeitgeber/innen im Arbeitsmarkt. ADM-Technologien werden genutzt, um Produktionsplanung und Controlling im Sinne „wissenschaftlicher Betriebsführung“ zu optimieren, zugleich ist die Logik der Quantifizierung zwingende Voraussetzung für ihren Einsatz. Es gibt aus anderen Bereichen Hinweise, dass Algorithmen bestehende Verzerrungen (z.B. sexistische oder andere Diskriminierungen) zementieren und es damit erschweren, die gesellschaftlich gewünschte Diversität zu erreichen. Auf der anderen Seite könnten diese Technologien – so sie gut gemacht sind – auch nachvollziehbarere und objektivere Entscheidungen treffen als einzelne Menschen.

2. Fragestellung

– Der Zugang zu den Daten und den daraus folgenden Analyseergebnissen kann die Machtverhältnisse im Betrieb nachhaltig verändern, in verschiedene Richtungen. Wird reines „Herrschaftswissen“ für das Management produziert, oder haben Mitarbeiter die Möglichkeit, die sie betreffenden Auswertungen nicht nur zur Kenntnis zu bekommen, sondern auch nachzuvollziehen oder sogar durch den Einsatz alternativer Systeme zu überprüfen?

– Wer hat Zugriff auf und Kontrolle über Daten, die erhoben werden – der Betrieb, die Firma, die das ADM-System zur Verfügung stellt, der Betriebsrat? Wer sollte sie haben? Wie kann eine sinnvolle Regulierung derartiger Systeme gestaltet sein?

– Führt der Einsatz von ADM in der betrieblichen Steuerung zu einem Fairnessgewinn oder -verlust für die Arbeitnehmer?

– Was bedeutet der Einsatz von ADM für die Autonomie der Arbeitnehmer und die betriebliche Mitbestimmung?

3. Untersuchungsmethoden

Um belastbare Aussagen darüber treffen zu können, welche Auswirkungen ADM auf Autonomie von Arbeitnehmern und betriebliche Mitbestimmung haben, müssen Informationen erhoben werden über die Systeme, die den Unternehmen zur Verfügung stehen, und wie diese eingesetzt werden. Aufbauend auf dieser Exploration können konkrete informatische, rechtliche und ethische Analysen vorgenommen werden, um so gut wie möglich heraus zu finden, wie die Systeme konkret arbeiten, wie ihr Einsatz selbst und die Ergebnisse Ihres Einsatzes rechtlich einzuordnen sind, ob es Regulierungslücken gibt und wie man diese Ergebnisse Betriebsräten, aber auch einer breiteren Öffentlichkeit vermitteln kann.

 

Projektende: 31.12.2019

Projektleitung: Matthias Spielkamp

gefördert von der Hans Boeckler Stiftung

Published: January 22, 2019