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Zwischenbilanz der OpenSCHUFA-Datenspende

Die Datenspende von OpenSCHUFA läuft jetzt seit sieben Wochen. Wir wollen Euch ein Update zum Fortschritt des Projekts, aber auch zu den Herausforderungen geben.

Was haben wir bisher erreicht?

Mehr als 2.300 Menschen haben ihre Selbstauskunft über www.openschufa.de gespendet. Das Thema Scoring und die Geschäftspraktiken SCHUFA waren Gegenstand einer kritischen Berichterstattung und werden von einer breiten Öffentlichkeit debattiert.

Beteiligung an der Datenspende niedriger als erhofft

Von den mehr als 26.000 SCHUFA-Selbstauskünften, die über selbstauskunft.net/schufa beantragt wurden, sind bislang weniger als 10 Prozent gespendet worden. Hier müssen wir offen sagen, dass wir aktuell hinter unseren Erwartungen liegen. Ein Grund dafür kann sein, dass das Verfahren der Datenspende für viele noch zu komplex und aufwendig erscheint. Dass das Verfahren so aufwendig ist, liegt vor allem daran, dass die SCHUFA möglicherweise nicht konform zur neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) operiert. Wie in einem Bericht der Welt festgestellt wurde, muss eine Auskunftsanfrage, die digital gestellt wird (etwa per Mail) auch digital beantwortet werden. Die SCHUFA handelt aber nicht so. Derzeit prüft das der Hessische Datenschutzbeauftragte.

Also, falls Ihr noch nicht eure Daten gespendet habt oder jemanden kennt, der die Selbstauskunft beantragt hat, unser Projekt freut sich sehr über die Datenspende!

Nach der DSGVO: SCHUFA gibt weniger Daten heraus

Ursprünglich hatten wir vor, bis Ende September dieses Jahres Daten einzusammeln. Seit Inkrafttreten der DSGVO erteilt die SCHUFA jedoch nicht mehr die gleiche Art der Auskunft. Sie nutzt dafür eine unserer Meinung nach schwammige Formulierung in der DSGVO. Dort ist in §15 Absatz 3 zu lesen: “Der Verantwortliche stellt eine Kopie der personenbezogenen Daten, die Gegenstand der Verarbeitung sind, zur Verfügung“. Im alten Bundesdatenschutzgesetz §34 hieß es dagegen: “Die verantwortliche Stelle hat dem Betroffenen auf Verlangen Auskunft zu erteilen über … die zu seiner Person gespeicherten Daten, auch soweit sie sich auf die Herkunft dieser Daten beziehen”. Die SCHUFA gibt also nicht mehr die Übersicht über alle Scores (Branchenscores) in einer kompletten Tabelle heraus, sondern nur noch vereinzelte Scores (wenn die in den letzten 12 Monaten angefragt wurden) sowie den sogenannten Basisscore. Wir sammeln weiterhin auch diese neue Art der Auskünfte ein, können aber die ursprünglich geplante umfassende Analyse der Tabelle in der Form nicht durchführen.

Wie geht es weiter bei OpenSCHUFA?

Die Datenjournalisten von BR und Spiegel Online werden die Daten auswerten, die bislang gespendet wurden.

Im Herbst veranstalten wir eine Diskussion, in der wir mit Politiker*innen, Datenschützer*innen und gerne auch der SCHUFA über das Thema Fairness und Scoring diskutieren werden.

Bis dahin bitten wir euch weiterhin, eure Selbstauskünfte anzufordern und eure Daten zu spenden – auch wenn es nur der Basisscore ist.

Veröffentlicht: 6. 7. 2018
Kategorie: News

5 Antworten auf “Zwischenbilanz der OpenSCHUFA-Datenspende”

  1. Ich sehe da eher ein anderes Problem, warum ihr nicht so viele Daten bekommen habt. Die Möglichkeit zum Upload sind einfach viiiel zu spät gekommen… Viele haben euer Projekt schon vergessen.
    Hätte es eine Möglichkeit, direkt zu der Zeit wo ihr das Projekt gestartet hattet, hättet ihr weit mehr.

    1. Das ist exakt das Problem. Als Ihr zur Selbstauskunft aufgerufen habt waren noch alle in meinem Bekanntenkreis Feuer und Flamme und nun musste ich jedem einzelnen hinterher rennen, damit er seine Daten hochläd. Einer hate den Wisch bereits geschreddert, weil er vergessen hatte, dass er das auch wegen euch beantragt hat.

      Ich weiß, ihr saßt da in der Zwickmühle: Portal noch nicht da, aber DSGVO um die Ecke und somit weniger Daten. Wahrscheinlich hättet ihr einen weniger Datenschutzfreundlichen Upload sofort (für die Eilligen) und den Premium-Upload für den Rest anbieten sollen.

      Aber ja, auch die Tatsache, dass man Knipsen oder Scannen muss, hält in der Tat viele ab. Das merke ich auch am Feedback. Da bin ich echt immer wieder froh, dass Ihr euch (genau wie wir) nicht von der Lethargie der Masse von euren Vorhaben abhalten lasst. Egal wie undankbar sie sind und egal wie frustrierend deren Verhalten ist.

  2. Schwammig ist da m. E. gar nichts, vor höchstrichterlichen Urteilen wird sich da aber trotzdem nichts bewegen.

    Ich bin im Übrigen unsicherer denn je was das ganze Projekt eigentlich erreichen soll.

    Zunächst dachte ich, dass da engagierte Nerds per reverse engineering an den Algorithmus wollen.

    Jetzt klingt das plötzliche nach viel heißer Luft am Ende, den üblichen selbstgefälligen “Podiumsdiskussionen” usw in denen Floskeln ausgetauscht werden und die nichts ergeben. Oder wie soll das sonst gemeint sein:

    ‘Die Datenjournalisten von BR und Spiegel Online werden die Daten auswerten, die bislang gespendet wurden.

    Im Herbst veranstalten wir eine Diskussion, in der wir mit Politiker*innen, Datenschützer*innen und gerne auch der SCHUFA über das Thema Fairness und Scoring diskutieren werden’

    Ich will keine Diskussion mit Professorix*Innen sondern den Algorithmus herausbekommen und damit das System der Auskunfteien ad absurdum führen.

    Für “Datenjournalismus” gebe ich meine Selbstauskunft bestimmt nicht her. Welch Mumpitz, mit einer “Diskussion” (uhuuu) die Schufa zu knacken, wie vollmundig angekündigt wurde.

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