Want create site? Find Free WordPress Themes and plugins.

von Tobias D. Krafft, Michael Gamer, Marcel Laessing und Katharina A. Zweig

Google-Suchergebnislisten zu prominenten Politikern weisen im Wesentlichen sehr hohe Ähnlichkeit auf. Im Durchschnitt 7 bis 8 der Ergebnisse von im Mittel 9 der sogenannten organischen Suchergebnisse unterscheiden sich unter den Nutzern des Datenspendeprojekts nicht. Das ist ein Hinweis darauf, dass Personalisierung durch Suchmaschinen eine geringere Rolle spielt als bisher weithin angenommen.

Dies ist das Ergebnis der Auswertung des ersten Monats unseres Datenspendeprojekts, gefördert von 6 Landesmedienanstalten. Fast 4.000 Nutzerinnen und Nutzer haben sich das Plug-In bereits heruntergeladen. Davon spenden uns tagsüber regelmäßig zwischen 300 und 600 ihre Suchergebnisse zu 16 Suchbegriffen – insgesamt haben wir damit 3 Millionen gespendete Datensätze gespeichert, die wir der Öffentlichkeit für weitere Analysen zur Verfügung gestellt haben. In unserer ersten Analyse „Datenspende: Personalisierung geringer als gedacht – Hauptsächlich regionale Effekte“ haben wir anhand der Daten für einen einzelnen Suchzeitpunkt analysiert, wie unterschiedlich die Suchergebnisse der Nutzer voneinander sind. In diesem Zwischenbericht greifen wir dieselbe Frage anhand der quantitativen Untersuchung der Ergebnisse von 8 bzw. 10 Werktagen auf. Zusätzlich analysieren wir den Anteil der offensichtlich regionalisierten Beiträge, um zwischen personalisierten Suchergebnislisten und regionalisierten Suchergebnislisten unterscheiden zu können.

Wir kommen zu den folgenden Hauptergebnissen:

  1. – Es gibt in den Suchergebnissen wenig Raum für Personalisierung, die eine wichtige Grundlage der Theorie von algorithmisch erzeugten Filterblasen von Eli Pariser darstellt:
    • – Suchergebnisse von Politikern weisen im Wesentlichen sehr hohe Ähnlichkeit auf: im Durchschnitt 7 oder 8 gleiche Ergebnisse von im Durchschnitt 9 organischen Suchergebnissen.
      – Suchergebnisse von Parteien sind weniger ähnlich, mit 5-6 gemeinsamen Suchergebnissen. Die restlichen Links verweisen auf regionale Ortsvereine und andere, regional interessante Webseiten. Es bleiben hier im Durchschnitt gut 1 bis knapp 3 Links für eine Personalisierung übrig.
  2. Es spielt nahezu keine Rolle, ob die Nutzer eingeloggt sind oder nicht – der Anteil der gemeinsamen Suchergebnisse ist nahezu identisch innerhalb der beiden Gruppen.
  3. Es existieren immer wieder kleine Cluster mit stark abweichenden Ergebnislisten – diese haben im Durchschnitt mit den anderen Suchergebnislisten nur 2 oder 3 Ergebnisse gemeinsam. Eine manuelle Inspektion ergibt aber keine inhaltlichen Auffälligkeiten politischer Natur. Die Cluster sind in sich relativ homogen. Es ist unklar, wie es zu diesen kleinen Clustern kommt. Eine abschließende, inhaltliche Bewertung steht noch aus.
  4. Die Parteien sind sehr unterschiedlich gut darin, selbst-kuratierte Webseiten wie eigene Homepages oder Social Media-Accounts auf die erste Suchergebnisseite zu bringen. Während Bündnis 90/Die Grünen fast konstant die Inhalte von 70% der Suchergebniswebseiten auf den ersten Suchergebnisseite selbst kuratieren, sind es bei der AfD nur um die 30%. CSU und SPD kommen auf 40% verlinkte Webseiten, deren Inhalte sie selbst beeinflussen können, die Linke, FDP und die CDU auf 60%.

Meta-Ergebnis:

Das Datenspende-Projekt zeigt, dass Gesellschaft einen wichtigen, Öffentlichkeit schaffenden und die Meinungsbildung potenziell beeinflussenden Algorithmus gemeinsam auf relevante Phänomene untersuchen kann, ohne dafür Einblick in den dahinterliegenden Code zu benötigen.

Lesen Sie den gesamten Bericht (PDF, 5,9 MB) von Tobias D. Krafft, Michael Gamer, Marcel Laessing und Katharina A. Zweig (Anfragen per Email an zweig@cs.uni-kl.de).
Bitte beachten – es war hier kurzzeitig eine nicht-aktuelle Fassung des 1. Zwischenberichts verlinkt. Dies ist nun behoben. Der Dateiname der richtigen Fassung ist 1_Zwischenbericht__final.pdf

Did you find apk for android? You can find new Free Android Games and apps.

Posted by Katharina Anna Zweig

Professorin an der TU Kaiserslautern zum Thema "Graphentheorie und Analyse komplexer Netzwerke"

5 Comments

  1. Vielen Dank für eure Mühe!

    Könnt Ihr denn ausschließen, dass euch Google auf die Schliche gekommen ist? Also den Code schon längst angepasst hat?

    Ich bin gespannt, ob sich in den nächsten Wochen noch etwas ändert und ob Ihr noch andere Ergebnisse erhaltet.

    Antworten

    1. Interessante Frage. Sie gehen davon aus, dass Googles Suchalgorithmus normalerweise stark personalisiert und es jetzt nur für die öffentlich bekannten Suchanfragen tut? Möglich ist alles, aber ob das auch wahrscheinlich ist, weiß ich nicht – wohl eher nicht. Aber Google ist das Projekt natürlich bekannt und alles ist ja transparent mit offenem Code und bekannten Suchanfragen. Was wäre die Konsequenz, falls es doch so wäre? Das Projekt verstetigen mit repräsentativem Sample von Nutzern und jederzeit beliebigen Suchanfragen. Damit könnte dann jeder Verdacht bezüglich einer möglicherweiseproblematischen Form der Personalisierung jederzeit untersucht werden.

      Antworten

  2. Hinsichtlich der immer wieder auftretenden kleinen Cluster mit stark abweichenden Ergebnislisten vermute ich einen technischen Hintergrund, z. B. nicht aktuelle Caches.

    Bei mir ist es z. B. so, dass ich sowohl daheim als auch dienstlich das gleiche Google Konto nutze. Auf dem Dienst-PC erfolgt der Internetzugriff jedoch über einen von zwei deutschlandweiten zentralen Proxies. Dort wird der Datenverkehr per SSL-Scanning aufgebrochen und auch gecacht. Dieser Cache hat so einige Macken.

    Außerdem führt diese Situation dazu, dass in meinem Fall die Regionalisierung bezogen auf dieses eine Google-Konto nicht konsistent erfasst werden kann.

    Gern unterstütze ich bei der Verifikation dieser Theorie.

    Antworten

  3. […] Der Begriff der Filterblase ist unter Kommunikationsforschern umstritten, weil ihre Existenz – je nach Studie – mal nachgewiesen, mal widerlegt wird. Die deutsche Plattform AlgorithmWatch hat zur Bundestagswahl eine Studie vorgelegt, die zumindest Google von dem Vorwurf freispricht, seine Nutzer in politische Filterblasen zu sperren. Über 4000 Freiwill… […]

    Antworten

  4. […] bei uns gerade die algorithmisch beschwingte Theorie von der Filterblase geplatzt ist, werden anderswo die Algorithmen für die künstliche Intelligenz auf Hochglanz […]

    Antworten

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.